Aber vo däm chasch nid läbe, oder?

Welche Antwort Evelyn Brunner auf einer der ihr am meisten gestellten Fragen gibt, erfahren Sie in unserer aktuellen Kulturkolumne.

Diese Frage, die meinem Gastartikel den Titel verleiht, wird mir oft gestellt. Und sie wird meist auf die exakt gleiche Weise formuliert: Mit einem «aber» als Start und einem «oder» zum Schluss. Mittlerweile habe ich eine Standardantwort, die ich jeweils wie ein Mantra aus meinem Repertoire zücke:

«Ich spiele Konzerte in unterschiedlichen Projekten und unterrichte Kinder und Erwachsene. So kann ich von und mit der Musik leben.»

Meist lautetet die Antwort: «Ah, aber unterrichten musst du eben doch! Vom Spielen allein könntest du schon nicht leben, oder?»

Viele nehmen also an, dass das Unterrichten für uns Musiker:innen lediglich ein «Brotjob» ist, da man von der Musik allein nicht leben kann. Damit ist subtil auch die Haltung verbunden, dass die Kunst des Unterrichtens weniger wert ist als die Bühnenkunst. Dass es Kunst und Passion ist, erlebe ich wöchentlich in der Zusammenarbeit mit all meinen Schülerinnen und Schülern. 

In einem anderen Kontext begegnet mir das Thema der Musiker:innenexistenz, wenn es um ehrenamtiche Arbeit geht. Glücklicherweise gibt es überall in der Schweiz viele Personen, die sich dafür engagieren, Kulturveranstaltungen zu organisieren. Dieser Einsatz ist grandios und lobenswert. In letzter Zeit erlebe ich jedoch oft, dass dieses freiwillige Engagement auch als Druckmittel eingesetzt wird, wenn es heisst: «Wir können halt nicht mehr Honorar bezahlen. Wisst ihr, wir machen das alles ehrenamtlich.»

Wir nicht. Wir leben von unserem Beruf. Wir sind organisiert in Einzelfirmen, oder in meinem Fall in einer GmbH. Wir rechnen selbstständig mit der AHV ab, müssen Versicherungen, Spesen und administrative Aufwände decken können, haben Unterhaltskosten an unseren Instrumenten und verbringen viele Stunden mit Üben und Komponieren, damit wir ein inspirierendes, abendfüllendes Programm professionell auf die Bühne bringen.

Werden wir fair entlöhnt und wird die Musikpädagogik als gleichwertig erachtet, können wir auch von unserem Beruf leben. Ohne aber und oder.

P.S. Der Verband Musikschaffende Schweiz SONART gibt zum Zweck der Einschätzung folgende Honorarempfehlungen ab:

Evelyn Brunner Kulturrat

Evelyn Brunner
Kulturrat Volkswirtschaft Berner Oberland

Aktuelle Beiträge

Die STI gestaltet die Mobilität von morgen für Menschenund Regionen

Die STI gestaltet die Mobilität von morgen für Menschenund Regionen

Die STI Holding AG hat an ihrer diesjährigen Generalversammlung Bilanz gezogen: 18,12 Millionen beförderte Fahrgäste, eine leicht verbesserte Pünktlichkeit und der Start der Flottenelektrifizierung prägen das Geschäftsjahr 2025. Erstmals leitete Verwaltungsratspräsidentin Susanne Huber die Versammlung; gleichzeitig wurde mit David Christener der neue Finanzchef vorgestellt. Strategisch stehen die Inbetriebnahme der Tangentiallinie 7 und die noch offene Standortfrage für den künftigen Hauptsitz im Vordergrund.

Entwicklung Weststrasse Süd in Thun

Entwicklung Weststrasse Süd in Thun

Die Frutiger AG, die STI Bus AG und die Stadt Thun haben eine Planungsvereinbarung für das Areal Weststrasse Süd abgeschlossen. Die Frutiger AG plant dort in den kommenden Jahren eine vielseitige und nachhaltige Arealentwicklung nach dem Vorbild des Siegenthalerguts. Die STI Bus AG prüft den Standort als möglichen neuen Hauptsitz, um den öffentlichen Verkehr in der Region auch künftig leistungsfähig betreiben zu können.

Mit AgriAqua soll Wasser in der Landwirtschaft besser genutzt werden

Mit AgriAqua soll Wasser in der Landwirtschaft besser genutzt werden

Zollikofen BE – Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften an der Berner Fachhochschule hat mit AgriAqua eine neue Ausgliederung geschaffen. Das aus der Plattform bewaesserungsnetz.ch gegründete Start-up soll die Schweizer Landwirtschaft auch künftig mit soliden Daten zur Wasserwirtschaft bedienen.

Privatklinik Meiringen eröffnet Ambulatorium in Thun

Privatklinik Meiringen eröffnet Ambulatorium in Thun

Meiringen/Thun BE – Die Privatklinik Meiringen eröffnet zum 1. August 2026 ein Ambulatorium für psychiatrische und psychotherapeutische Behandlungen. Das Ambulatorium im PZJE Thun wendet sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Problemen.

Privatklinik Meiringen eröffnet Ambulatorium in Thun

Mirco Plozza verstärkt Stiftungsrat von TRANSfair

Thun BE – Mirco Plozza ist nun Teil des Stiftungsrat der Thuner Stiftung TRANSfair. Als Direktor Personal & Betriebe und Stellvertretender CEO im Psychiatriezentrum Münsingen bringt er mehrjährige Erfahrung in Hotellerie, Gesundheitswesen, Personalwesen und Betriebsführung mit.

Suche & Links