Kreislaufwirtschaft erfordert Wille und vernetztes Denken

Wert schaffen und Ressourcen schonen: Kann Kreislaufwirtschaft eine Chance für KMU sein? Die Referentinnen und Referenten am Wirtschaftstreffen Berner Oberland in Interlaken beleuchteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Dabei zeigte sich: Die Basis der Kreislaufwirtschaft bildet die Vernetzung – innerhalb und ausserhalb der eigenen Unternehmung.

Wert schaffen und Ressourcen schonen: Kann Kreislaufwirtschaft eine Chance für KMU sein? Die Referentinnen und Referenten am Wirtschaftstreffen Berner Oberland in Interlaken beleuchteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Dabei zeigte sich: Die Basis der Kreislaufwirtschaft bildet die Vernetzung – innerhalb und ausserhalb der eigenen Unternehmung.

Kreislaufwirtschaft bedeutet nicht Recycling plus.» Simone Rieder, Co-Leiterin Rytec Circular, zeigte in ihrem Einstiegsreferat am Wirtschaftstreffen Berner Oberland im JungfrauPark Interlaken anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis auf, dass Kreislaufwirtschaft nicht als Aktivität der Nachhaltigkeits- oder Marketingabteilung begriffen werden darf, sondern als Business Case. «Für erfolgreiche Kreislaufprodukte braucht es das passende Geschäftsmodell.» Dieses zu entwickeln, erfordert eine genaue Analyse der Unternehmensprozesse. Gerade die inneren Produktekreise sind für die Entwicklung von kreislauffähigen Lösungen oftmals eine wahre Goldgrube. «Hier können Geschäftsmodelle etabliert werden, die sich langfristig finanziell selbst tragen.» Dabei ist es unabdingbar, dass über Abteilungsgrenzen, und auch über das Unternehmen hinaus gedacht wird: «Die Realität zeigt leider, dass die meisten Kreislauf-Projekte nach wie vor am Silo-Denken innerhalb einer Unternehmung scheitern», so Rieder. Um die Kreislaufwirtschaft zu etablieren, können auch Anreize von Aussen helfen, etwa im Beschaffungswesen. Städte und Gemeinden können Kreislaufthemen in Ausschreibungen integrieren und dabei massgeblich zur Verbreitung beitragen. Ansätze und Ideen dazu liefert die Wissensplattform nachhaltige öffentliche Beschaffung WÖB, die als Hilfsmittel hinzugezogen werden kann.

Lebensmittel und Bau als Beispiele

Aktuelle praktische Beispiele aus der Kreislaufwirtschaft wurden im zweiten Teil des Wirtschaftstreffens vorgestellt. Seit sechs Monaten ist Circunis, eine B2B-Plattform für Lebensmittelüberschuss, aktiv. Rund 60 Teilnehmende aus 13 Kantonen handeln hier mit Lebensmittelüberschüssen. Das Projekt wurde unter anderem durch den Migros Pionierfonds ermöglicht. Geschäftsführerin Olivia Menzi zeigte den Weg auf, den sie und ihr Team von der Idee bis zur Lancierung von Circunis gegangen sind. «Unsere Vision ist eine Schweiz, die verwendet, was da ist – statt auf Kosten von Umwelt und Gesellschaft zu wirtschaften.» Auch bei Circunis steht die Vernetzung im Zentrum, der Wille, gemeinsam etwas zu bewegen und so schlussendlich mehr Waren im Kreislauf zu halten und die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Kreislaufwirtschaft sollte auch im Bauwesen ein Ziel sein, findet Stefan Zöllig, Timbatec Holzbauingenieure Schweiz. Allerdings: «Wenn es um nachhaltiges Bauen geht, steht die Kreislaufwirtschaft nicht an oberster Stelle.» Das grösste Potenzial sieht Zöllig im Holzbau, denn hier besteht die Möglichkeit gegenüber der traditionellen Bauweise mit Beton, CO2-Emmissionen zu vermeiden. Erst nachgelagert entwickeln sich dabei kreislauffähige Modelle.

Unterstützung für interessierte KMU

Für die von allen Referentinnen und Referenten angesprochene, wichtige Vernetzung von Firmen in der Region und über deren Grenzen hinaus, engagieren sich die Volkswirtschaft Berner Oberland gemeinsam mit der Standortförderung des Kantons Bern. Leo Glaser, Projektleiter Volkswirtschaft Berner Oberland, zeigte auf, was sich in Sachen Kreislaufwirtschaft im Berner Oberland bereits bewegt. Die Volkswirtschaft Berner Oberland engagiert sich aktuell in einem NRP-Projekt zum Thema (siehe Kasten). Interessierte Firmen finden auch bei be-advanced Unsterstützung. Roger Neuenschwander, CEO der Innovationsförderagentur des Kantons Bern, stellte das Angebot vor, welches unter anderem kostenlose KMU-Coachings beinhaltet. In eimem «be-green»-Coaching kann dabei der Fokus ganz bewusst auf die nachhaltige Geschäftsentwicklung gelegt werden.

Wirtschaftstreffen Berner Oberland

Das Wirtschaftstreffen Berne Oberland findet jährlich im November statt. Getragen wird der Anlass von den Wirtschaftsverbänden und Planungsregionen im ganzen Berner Oberland. Dazu gehören Wirtschaft Thun Oberland, HotellerieSuisse Berner Oberland, Berner KMU Landesteile Oberland West und Oberland Ost, Handels- und Industrieverein Interlaken Oberhasli, Gewerkschaftsbund Interlaken-Oberhasli, Entwicklungsraum Thun, Regionalkonferenz Oberland Ost, die Planungsregionen Kandertal und Obersimmental-Saanenland sowie die Standortförderung Kanton Bern. Die Organisation obliegt der Volkswirtschaft Berner Oberland.

Austausch zum Thema Kreislaufwirtschaft im Berner Oberland

Gemeinsam neue Wege einschlagen und Kreislaufwirtschaft als Instrumente für die Bewältigung von Herausforderungen kennenlernen und im Alltag einsetze: Im Rahmen des NRP-Vorprojektes zur Kreislaufwirtschaft analysiert die Volkswirtschaft Berner Obeland die Bedürfnisse der lokalen Wirtschaft. Daraus sollen in einem Folgeprojekt mögliche Instrumente für die Umsetzung im Alltag der KMU zusammen mit Unternehmerinnen und Unternehmer aus verschiedenen Branchen erarbeitet werden. An einem ersten Vernetzungsanlass zur Kreislaufwirtschaft im Berner Oberland findet ein Austausch mit interessierten Betrieben statt. Die Vorabendveranstaltung wird ca. 2 Stunden dauern. interessierte Unternehmerinnen und Unternehmer können sich ab sofort für weitere Informationen und den Anlass eintragen: Zur Anmeldung.

Für weitere Auskünfte

Susanne Huber
Geschäftsführerin

susanne.huber@volkswirtschaftbeo.ch

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