Zwei handfeste Produktinnovationen ausgezeichnet

Die Innovationspreise Berner Oberland 2025 gehen nach Interlaken und Zwieselberg. Am Neujahrsapéro der Volkswirtschaft Berner Oberland wurden die EASY Serviette der Wäsche-Perle AG sowie die Massivholz-Brillenfassungen Lignula aus der Holzmanufaktur der Familie Studer ausgezeichnet.

Kunsthandel, Schokolade, Tee, Pop-up-Beherbergunskonzept, Gastronomie oder Gewerbeschau: Die siebenköpfige Jury der Innovationspreise Berner Oberland hatte die Qual der Wahl. Insgesamt zwölf unterschiedlich ausgelagerte, innovative Projekte aus allen Teilen des Berner Oberlandes bewarben sich 2025 um den regionalen Preis. Schlussendlich haben zwei handfeste Produkte die Jury überzeugt: Mit der aus rezikliertem Material gefertigten EASY Serviette stellt die Wäsche-Perle AG aus Interlaken Gastronomiebetrieben eine knitterfreie Stoffserviette zur Verfügung, die für die Betriebe keinen zusätzlichen Aufwand bringt und die Umwelt von Papierabfall befreit. Ein weltweit einzigartiges Produkt wird in Zwieselberg geschaffen: Die Brillenfassungen der Marke Lignula sind aus Massivholz angefertigt. Startschuss für die innovative Idee war ein Schulprojekt von Elin Studer. Gemeinsam mit ihrem Vater, Schreiner Beat Studer, entwickelte das Familien-Tandem mit viel Herzblut und Liebe zum Detail einzigartige Brillenfassungen, jede ein Unikat.

Dampfkochtopf-Labor in der heimischen Küche

«Entstanden ist diese Innovation nicht in einem grossen Labor oder einem internationalen Konzern, sondern in einer kleinen Werkstatt, voller Holzduft und handwerklicher Präzision – dort, wo viele glauben, Innovation sei schwierig», lobte Jurymitglied Ursula Flück-Arbeiter die Verantwortlichen von Lignula. Holzbrillen sind per se nichts Neues, bei ihrer Recherche merkten Vater Beat und Tochter Elin Studer jedoch, dass bestehende Holzbrillen ausschliesslich aus schichtverleimtem Holz bestehen. Eine Fassung aus unverleimtem Massivholz existierte nicht – damit war die Lignula-Idee geboren. Studers haben lange gepröbelt, bis die erste Massivholz-Brillenfassung Realität wurde. «Mit dem Dampfkochtopf in der Küche wurde improvisiert und erste Tests zeigten ermutigende Resultate», erzählt Beat Studer. Die in der Holzmanufaktur in Zwieselberg mit uralter Handwerkskunst und moderner CNC-Technik hergestellten Brillen-Modelle aus heimischem Holz sind bereits in regionalen Fachgeschäften erhältlich.

Kein Bügeln, kein Aufwand

«Eine Stoffserviette ist ein Angebot, ein Aufruf gegen alles, was schnell gehen muss», sagte Jurymitglied Christine Kehrli in Ihrer Laudatio. Mit der EASY Serviette hat die Wäsche-Perle AG aus Interlaken ein Angebot geschaffen, das die Papierservietten, die vielerorts aus Kosten- und Effizienzgründen zum Einsatz kommen, ersetzen will. «Die Idee ist etwas aus einer Not entstanden», erzählt Lukas Röthlisberger, Geschäftsführer der Wäsche-Perle AG: «Wir hatten etwas zu viele klassische Stoffserviertten zum verarbeiten und merkten gleichzeitig, dass viele unserer Kunden, besonders für das Mittagessen, auf Papierservietten umgestellt haben.» Aus rezyklierter Baumwolle, rezykliertem PET und neuer Baumwolle wird eine Stoffserviette hergestellt, welche nicht gebügelt werden muss und nahezu knitterfrei ist. Durch die Knitterfreiheit, die dank einer speziellen Webung entsteht, lässt sich die Serviette ohne grossen Aufwand einsetzen. Die EASY Serviette ist kostengünstiger als manche aus Papier und der Abfall wird reduziert.

Von Profit und Werten

Vor der Preisverleihung nahm die Berner Oberländer Schauspielerin und Kommunikationstrainerin Aline Beetschen die rund 200 anwesenden Gäste mit in ihre Welt. Die vielseitige Kulturschaffende erzählte von ihrem Werdegang und den alltäglichen Herausforderungen im Kulturbetrieb. Mit dem Verein Oberländer Bühnenkunst, den Aline Beetschen gemeinsam mit ihrer Schauspielkollegin Jeanne Grossmann gegründet hat, will sie einen Raum für Begegnungen schaffen und junge Kunstschaffende in der Region fördern und unterstützen. Dabei ist die Wirtschaft für sie ein wichtiger Partner. «Kunst und Wirtschaft sind wie Geschwister: Sie zanken sich immer mal wieder, das eine kann aber dennoch nicht ohne das andere leben.» Beetschen appellierte, ob ob der allgegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen, die Kultur nicht zu vergessen: «Kunst und Wirtschaft bedeutet für mich ein Zusammenspiel von Profit und Werten.»

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