Innovation als Antwort auf unsicheres Wirtschaftsumfeld

Die Welt, Europa, die Schweiz: Unter diesem Titel fand das Wirtschaftstreffen Berner Oberland 2025 im Lötschbergzentrum in Spiez statt. Rund 140 Gäste liessen sich aus erster Hand von Botschafter Stephan Lauper, stv. Chef Abteilung Europa EDA, Dr. Roland Scheurer, Schweizerische Nationalbank, und Regierungsrat Christoph Ammann über aktuelle Wirtschafts- und Politthemen informieren. Das Wirtschaftstreffen Berner Oberland wird jährlich von der Volkswirtschaft Berner Oberland organisiert und wird von den grossen Wirtschaftsverbänden der Reigon getragen.

Die Welt, Europa, die Schweiz: Unter diesem Titel fand das Wirtschaftstreffen Berner Oberland 2025 im Lötschbergzentrum in Spiez statt. Rund 140 Gäste liessen sich aus erster Hand von Botschafter Stephan Lauper, stv. Chef Abteilung Europa EDA, Dr. Roland Scheurer, Schweizerische Nationalbank, und Regierungsrat Christoph Ammann über aktuelle Wirtschafts- und Politthemen informieren. Das Wirtschaftstreffen Berner Oberland wird jährlich von der Volkswirtschaft Berner Oberland organisiert und wird von den grossen Wirtschaftsverbänden der Reigon getragen.

«Das EU-Paket ist nicht alternativlos», erklärte Botschafter Stephan Lauper zu Beginn seiner Präsentation. Welche Alternativien es gibt – von der Mitgliedschaft auf der einen bis zu einem Freihandelsabkommen analog Kanada auf der anderen Seite, zeigte der stv. Chefunterhändler anlässlich des Wirtschaftstreffens Berner Oberland in Spiez auf. Lauper wies darauf hin, dass die oft genannte Option «nichts tun» gegenüber allen anderen Möglichkeiten vor allem Nachteile bringt. Abwarten und alles wie bisher weiterlaufen lassen, führe unter anderem zu fehlender Planungs- und Rechtssicherheit, einer Schwächung des Forschungs- und Innovationsstandortes sowie zu weniger Versorgungssicherheit und Konsumentenschutz, da die Abkommen, die derzeit bestehen, laufend an Bedeutung verlieren. Die EU ist der wichtigste Handelspartner der Schweiz, rund fünf mal wichtiger als die USA und zirka zehn mal wichtiger als China. Der Botschafter betonte, dass es für den Bundesrat kein «entweder, oder» gebe: «Der Bundesrat will alles. Er will geregelte Handelsbeziehungen mit der EU, den USA und mit China.» Zudem sei auch die Fortsetzung der Personenfreizügigkeit ein wichtiger Teil der ausgehandelten Abkommen.

Keine automatische Rechtsübernahme

Ein zentraler Teil dieser geregelten Beziehungen stellt das neu ausgehandelte Paket zwischen der Schweiz und der Europäischen Union dar. Die Vernehmlassung zum EU-Paket ist eben zu Ende gegangen, nun wird die definitive Vorlage erarbeitet, die im Frühjahr 2026 vors Parlament kommt. Stephan Lauper zeigte die wichtisten Bestandteile des Verhandlungpaketes auf: Zum einen sollen in einem Stabilisierungsteil bereits bestehende Abkommen den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden, in einer Weiterentwicklung sollen drei neue Gesetzte im Bereich Gesundheit, Strom und Lebensmittelsicherheit folgen. Auch auf die viel diskutierte dynamische Rechtsübernahme zwischen der Schweiz und der EU ging der stellvertretende Chefunterhändler ein: «Es gibt keine automatische Rechtsübernahme, auch nicht mit den neuen Abkommen», stellte Lauper klar. Das System der dynamischen Rechtsübernahme bestehe bereits seit längerem und sei nichts neues. «Die Mitwirkung von Bund und Kantonen muss gegeben sein.»

Wohlstandverlust durch Zölle

Einen tieferen Einblick in die aktuellen wirtschaftlichen und geldpolitischen Herausforderungen gab Dr. Roland Scheurer. Der Ringgenberger ist Delegierter für regionale Wirtschaftskontakte bei der Schweizerischen Nationalbank. Sein Fokus galt vor allem der aktuellen Zollpolitik der USA. In einer kurzen, fundierten Tour d’horizon zeigte Scheurer die Wirkung von Zöllen auf, um danach vertiefter auf die damit verbundenen Herausorderungen für die Schweizer Wirtschaft einzugehen: «Es sind momentan 4% der exportierten Waren von den US-Zöllen betroffen», erklärte er. Auf den ersten Blick seinen die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle überschaubar, für die betroffenen Firmen jedoch fatal. Zölle führten praktisch immer zu einem Wohlstandsverust, schlussendlich auf Kosten der Konsumenten.

Getrübte Aussichten

Die US-Handelspolitik beeinflusst auch die Konjunkturprognosen. «Würde man die Aussichten mit Wetterpgrognosen vergleichen, käme man zum Schluss, dass der Ausblick eingetrübt ist», so Scheurer. Die Wirtschaft bleibe zwar momentan stabil und es sei von einem moderaten Wachstum auszugehen, von eitel Sonnenschein ist man in den Prognosen jedoch entfernt. Auch die Inflation dürfte wieder leicht steigen. Die Schweizerische Nationalbank beobachte die Lage laufend und werde, so wie es ihre Aufgabe sei, handeln, um die Preisstabilität zu sichern.

Freud und Leid im Kanton

Zum Abschluss des Wirtschaftstreffen Berner Oberland gehörte die Bühne Regierungsrat Christoph Ammann: Er nahm den Ball seiner Vorredner auf und gab einen Überblick über die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen im Kanton. «Die aktuelle Situation belastet mich als Wirtschaftsdirektor des grössten Industriekantons der Schweiz», so Ammann. Der Kanton Bern verfügt schweizweit über die meisten Arbeitsplätze im Industriesektor. «Diese Arbeitsplätze sind in Gefahr.» Das Bild sei im moment noch diffus, der Kanton unterstütze KMU zusätzlich mit einem Impuslprogramm, das sich finanziell Analysen für die Erschliessung neuer Absatzmärkte beteilige oder gemeinsam mit den Bernern Forschungsinstitutionen Innovationen fördere. Eine Verlängerung dieser Massnahmen steht im Raum. Ammann wusste aber auch erfreuliches zu berichten: Der Entscheid des Schweizerischen Fussballverbandes, das neue Verbandszentrum «Swiss Football Home» in Thun zu bauen, freut den Fussballfan besonders. Nicht zuletzt ist es selbstverständlich auch der FC Thun, in direkter Nachbarschaft zum neuen SFV-Standort, der den Wirtschaftsdirektor begeistert: «Wie sich die Thuner im Moment präsentieren, davon können wir uns alle eine Scheibe abschneiden.» Mut, Hunger und Leidenschaft seien auch im wirtschaftlichen Umfeld gute Tugenden, gerade in nicht ganz einfachen Zeiten.

Wirtschaftstreffen Berner Oberland

Das Wirtschaftstreffen Berne Oberland findet jährlich im November statt. Getragen wird der Anlass von den Wirtschaftsverbänden und Planungsregionen im ganzen Berner Oberland. Dazu gehören Wirtschaft Thun Oberland, HotellerieSuisse Berner Oberland, Berner KMU Landesteile Oberland West und Oberland Ost, Handels- und Industrieverein Interlaken Oberhasli, Gewerkschaftsbund Interlaken-Oberhasli, Entwicklungsraum Thun, Regionalkonferenz Oberland Ost, die Planungsregionen Kandertal und Obersimmental-Saanenland sowie die Standortförderung Kanton Bern. Die Organisation obliegt der Volkswirtschaft Berner Oberland.

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