Zum ersten Mal führte die Volkswirtschaft Berner Oberland im Rahmen des jährlich stattfindenden Gemeindeforums auch ein Gesundheitsforum durch. Die Herausforderungen im Bereich der medizinischen Grundversorgung in der Region sind vielfältig und die Rahmenbedingungen verändern sich laufend. Am Gesundheitsforum gaben Karin Ritschard Ugi, Verwaltungsratspräsidentin Spitäler fmi AG, und David Roten, CEO Spital STS AG, einen Überblick über die Situation der Akutspitäler im Berner Oberland. Martin Hofer, Leiter Rettungsdienste Spitäler fmi AG, zeigte, wie die Rettungsdienste im Berner Oberland organisiert sind.
Regionale Spitalzentren im Lead
Eine wichtige Aufgabe von Karin Ritschard Ugi ist es, Verständnis bei den verschiedenen Anspruchsgruppen – Bevölkerung, Behörden aber auch Mitarbeitende – zu schaffen. «Das Gesundheitswesen und somit auch die Spitäler, ist von verschiedenen Seiten her unter Druck», erklärte sie. Da ist der Fachkräftemangel, der in den Regionalspitälern längst nicht nur das medizinische Personal betrifft, aber auch nicht kostendeckende Tarife oder die Digitalisierung, die meist mit hohem Aufwand, personell und finanziell, einhergeht. Im Kanton Bern soll die integrierte Versorgung diese Probleme lösen, insbesondere durch eine bessere Vernetzung der Leistungserbringenden. Der Kanton hat dazu das 4+-Regionen-Modell definiert, das Berner Oberland gilt als eine Region. Hauptverantwortlich für die tiefere Vernetzung aller Leistungserbringenden im Rahmen der integrierten Versorgung sind die regionalen Spitalzentren. Als konkrete Massnahme daraus, stärken und vertiefen Spitäler fmi AG und die Spital STS AG daher ihre Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen. Als weitere konkrete Massnahme zeigte Ritschard Ugi die Bestrebungen rund um den Aufbau des Gesundheitsnetzwerks Kandertal auf. Dieses Projekt kann als auch Basis für weitere Gesundheitsnetzwerke im Berner Oberland dienen.
Medizinischer Fortschritt heisst Spezialisierung
Spital STS AG-CEO David Roten blickte aus betriebswirtschaftlicher Sicht auf die Entwicklungen und Herausforderungen der Spitallandschaft. Die beiden Gesundheitsdienstleister STS und fmi sind mit total über 4’000 Mitarbeitenden an allen Standorten einer der grösste Arbeitgeber im Berner Oberland. Roten zeigte auf, wie der medizinische Fortschritt die Spitallandschaft verändert: «Medizinischer Fortschritt geht immer mit einer Spezialisierung einher. Je spezialisierter ein Spitalstandort ist, umso grösser muss sein Einzugsgebiet sein.» Die Spitalstandorte im Berner Oberland werden langfristig nicht alle Leistungen anbieten können, das können auch saisonale Spitzen durch den Tourismus nicht ändern.



Komplexe Organisation des Rettungsdienstes
Wie die enge Zusammenarbeit im Alltag konkret aussieht, zeigte Martin Hofer, Leiter Rettungsdienste Spitäler fmi AG, auf. Die Rettungsdienste sind im Berner Oberland bereits für das gesamte Versorgungsgebiet zentral unter dem Dach der Rettungsdienste Berner Oberland AG organisiert. Hofer belegte mit eindrücklichen Zahlen und Beispielen, wie komplex die Organisation des Rettungsdienstes im Berner Oberland im Alltag ist: 193 Mitarbeitende stellen mit insgesamt 21 Ambulanzen die Versorgung der Region sicher. Daneben leisten First- und Rapid-Responder sowie Rapid-Responder-Hebammen wichtige, zusätzliche Unterstützung, ohne die die Versorgung in peripheren Gebieten nur schwer möglich wäre.
Haftungsrisiko in der Gemeinde
Der zweite Veranstaltungsteil, das Gemeindeforum, stand unter dem Motto «Haftung und Verantwortung in der Gemeinde». Ein äusserst aktuelles Thema gerade im Hinblick auf die Brandkatastrophe in Crans-Montana und den aktuellen Bondo-Prozess. Wann wird die Gemeinde haftbar? Unter welchen Voraussetzungen sind Personen aus Exekutive oder Verwaltung zur Verantwortung zu ziehen? Jürg Wichtermann, Jurist und Geschäftsführer des Verbandes Berner Gemeinden, ging auf die verschiedenen Verantwortlichkeiten und Haftungsformen im Gemeindekontext ein. «Solange eine Behörde oder eine Verwaltung sorgfältig arbeiten, ist das Risiko, haftbar zu werden, auch persönlich, überschaubar», sagte Wichtermann. Andererseits werde in Gemeinden gearbeitet und entschieden, und da seien Fehler möglich und manchmal hafte man dafür – in den meisten Fällen betreffe das aber die Gemeinde und nicht einzelne Personen. Was es konkret heisst, in einer Notsituation Verantwortung zu übernehmen, zeigte anschliessend Peter Zumbrunn, Regierungsstatthalter Interlaken-Oberhasli auf. Er erzählte von seinen Erfahrungen mit dem Grossereignis 2024 am Milibach, während seiner Zeit als Gemeinderatspräsident Brienz. Wie bereits sein Vorredner plädierte auch Zumbrunn dafür, pragmatisch zu bleiben und sich der Verantwortung zu stellen.



Mit dem Ranger unterwegs
Den Abschluss des Gemeindeforums bestritt Matthias Schaller. Er ist als Ranger in der Moorlandschaft Habkern-Sörenberg und in der Grimselwelt unterwegs. Anekdotenreich erzählte er aus seinem Berufsalltag und verdeutlichte, wie wichtig das Thema Verantwortung auch in der Natur ist. Gerade mit zunehmenden Touristenströmen werden Personen wie Schaller, die Gästen die Natur näherbringen und sie auf die gängigen Verhaltensregeln hinweisen, immer wichtiger. Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Landwirtschaft, Bevölkerung und Gästen und sorgen mit ihrer Arbeit dafür, dass weniger Konflikte entstehen.
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