Wie gelingt die Vernetzung von Kultur und Wirtschaft?

Beim letzten Kulturstammtisch wurde der Wunsch geäussert, dass Kultur und Wirtschaft besser vernetzt werden sollen. Dies war das Ziel, das sich Beatrice Fridelance bereits gesetzt hat, als sie das Präsidium des Kulturrats vor 10 Jahren übernommen hat.

Als ich das Präsidium des Kulturrats übernommen habe, setzte ich mir zum Ziel Kultur und Wirtschaft besser zu vernetzen. So wurde der Kulturpreis für ein Lebenswerk neu in die Verleihung der Innovationspreise integriert. Früher erhielten arrivierte Künstler aus dem Berner Oberland wie Polo Hofer, Ernst Hanke, Alexandre Dubach, das Menuhin Festival oder Chantal Michel diesen Preis, der mit 10’000 Franken dotiert war. Besonders in Erinnerung ist mir Preisträger Adrian Frutiger, der Erfinder der Frutiger Schrift, geblieben. Ihn haben wir für die Preisübergabe im Altersheim besucht. Seine Augen leuchteten bei der Übergabe, aber er konnte nicht mehr sprechen und verstarb kurz darauf.

Die Kultur geht zur Wirtschaft

Seit ein paar Jahren, können sich innovative Kulturschaffende für den Innovationspreis bewerben. Bereits dreimal erhielt eine Kulturinstitution einen Preis an. So gewannen das Volkstheater Meiringen, die Bachwochen und zuletzt der Cube in der Lenk einen Innovationspreis, der mit 3000 Franken dotiert ist. Dieser Preis wird jeweils am Neujahrsapéro, an dem 200 Wirtschaftsleute teilnehmen, überreicht.

Im Newsletter, der an alle Mitglieder der Volkswirtschaft Berner Oberland verschickt wird, werden auch regelmässig kulturelle Beiträge veröffentlicht. Einerseits im Blickpunkt Kolumnen von Kulturratsmitglieder, Gastbeiträge und Hinweise auf die Kulturstammtische.

Bei der Volkswirtschaft Berner Oberland wird fleissig für die Kulturstammtische geworben. Es stellt sich die Frage, warum sich niemand aus der Wirtschaft an diese Stammtische setzt.

Ich denke, dass sich Unternehmerinnen durchaus bewusst sind, dass ein Dorf, eine Stadt, ein Tal mit einem attraktiven Kulturleben eine Region lebenswert macht. Ein lebenswerter Ort ist ein Standortvorteil, der auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken kann. Ich bin überzeugt, dass der eine oder andere Unternehmer nebst seinem Engagement in der Wirtschaft in einem Jodlerclub mitsingt, als Laienschauspieler agiert, Bücher liest, Bilder oder Skulpturen kauft, Filme schaut oder Konzerte besucht. Dankbar, dass er dafür nicht immer weit reisen muss, weil Kultur in seinem Dorf stattfindet.

Beatrice Fridelance

Beatrice Fridelance
Präsidentin Kulturrat Volkswirtschaft Berner Oberland

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